Konzert

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Musikverein Tamm spielt mit Musicalstars

Das Konzept ist neu, ungewöhnlich und anspruchsvoll: Gemeinsam mit regionalen Orchestern wagen John und Kaybee Cashmore den Spagat zwischen Klassik, Pop und Musical.

 

Es ist eine ungewöhnliche Mischung, die John und Kaybee Cashmore gemeinsam mit dem Musikverein Tamm am vergangenen Samstagabend auf die Bühne des Bürgersaals brachten: “Classic goes Broadway”. Klassik und Musical? Wagner und Webber? Rossini und Bernstein? Passt das überhaupt zusammen? Tatsächlich. Der musikalische Übergang von klassischen Elementen zu Musicalsongs überzeugte, die Kombination beider machte altbekannte Melodien zu einem neuen, teilweise unerwarteten Erlebnis.

So wirkte der helle Tenor John Cashmores neben der rauchigen Stimme seiner Frau zunächst geradezu fremd in den Melodien des Queen-Hits “We will rock you”, bevor er in der Musik unterging und als Teil einer neuen, ungewöhnlichen Interpretation des Rockklassikers wieder auftauchte. Doch nicht nur musikalisch, auch biografisch beschreibt der Titel der Reihe, mit der das Ehepaar derzeit unterwegs ist, eine Entwicklung: Als klassischer Tenor wurde John Cashmore in den London National Opera Studios ausgebildet, stand unter anderem als Escamillo in “Carmen” auf der Bühne und sang Konzerte in der Londoner Barbican und der Royal Albert Hall. Erst die Zusammenarbeit mit Leonard Bernstein machte aus ihm einen Musicaldarsteller. Bernstein machte ihn zu Tony in “West Side Story” und schickte ihn für die deutsche Erstaufführung des Musicals sogar bis nach Aachen. “Ich kam an, mit nicht viel größeren Sprachkenntnissen als ja und nein”, erzählte Cashmore in einer seiner Moderationen, bei denen er gemeinsam mit seiner Frau Kaybee mit typisch britischem Humor zwischen den Stücken überleitete. Beide trafen sich auf der Musicalbühne.

Das musikalische Programm des Abends blieb zunächst zweigeteilt. Während John Cashmore mit “Largo al factotum” aus Rossinis “Barbier von Sevilla” die Show eröffnete, kam Kaybee erst beim gemeinsamen “Vivo per lei” auf die Bühne und übernahm mit Hits wie “I am what I am” den rockigeren Part des Abends und heizte dem gut gelaunten Publikum ordentlich ein.

Nach der Pause wechselte der Gestus schließlich über ins Reich der Musicals. John Cashmore erinnerte dabei mit einem Mashup aus Bernsteins “West Side Story” an seine erste Musicalrolle und überzeugte anschließend stimmgewaltig mit seiner Version von “Bring him home” aus “Les Misérables”, jenem unter Darstellern allseits gefürchteten Stück, das in seinem vollen Umfang mehrere Oktaven umfasst und an dem sich jüngst Hugh Jackman in der Kinoversion des Musicals die Zähne ausbiss. Auch Kaybee Cashmore wagte mit ihren überzeugenden Interpretationen von “Du allein” aus “Starlight Express” und “Ich hab geträumt” aus “Les Misérables” eine Rückkehr in ihre Vergangenheit. In beiden Rollen stand sie bereits auf der Bühne.

Der Musikverein überzeugte neben den internationalen Gästen unter der Leitung von Thomas Daub bei seinen Solostücken besonders durch den gekonnt inszenierten Wechsel zwischen musikalischer Stimmgewalt und leisen, melancholischen Melodien.

Es sei das erste Mal, dass sie von einem reinen Blasorchester begleitet würden, sagte John Cashmore vor Beginn der Show, doch der Musikverein spiele so souverän, dass die gemeinsamen Proben ein Vergnügen gewesen seien. Allerdings traten dennoch einige Probleme auf. Da die Kommunikation zwischen dem Verein und den Solokünstlern bis dato nur über das Internet vonstatten ging, fiel auch erst am Konzerttag auf, dass das Orchester einige Stücke in anderen Tonarten einstudiert hatte als die Cashmores. “Wir mussten spontan unsere Einsätze tauschen, damit die Tonlage wieder passt, ist aber kein Problem”, erklärte Kaybee Cashmore sehr locker.

 

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